Il existe des lieux où l’histoire a été écrite – et que personne ne connaît pourtant ! À l’occasion du 80ème anniversaire de la fin de la Seconde Guerre mondiale, le réalisateur multi-récompensé Wim Wenders (Les Ailes du désir, Paris-Texas, Perfect Days, etc.) et l’agence Scholz & Friends ont été chargés par l’office des Affaires étrangères de la République fédérale d’Allemagne de concevoir un court-métrage qui nous conduit dans l’endroit le plus secret d’Europe à l’époque : une salle de cartes dans une école à Reims, en France, qui servait de War Room aux Alliés. Le 7 mai 1945, l’Allemagne nazie y a capitulé et la guerre mondiale a pris fin. Les clés de la liberté (Die Schlüssel zur Freiheit) sont aujourd’hui plus qu’une pièce de musée. La question est de savoir comment nous les utilisons nous-mêmes aujourd’hui. Car la liberté ne va pas de soi, il faut faire quelque chose pour l’obtenir.
« Douze ans de terreur, six ans de guerre, l’Holocauste, les pires crimes que le monde ait jamais connus se terminent ici, dans une école de Reims. À la fermeture du quartier général, le commandant en chef rend les clés au maire de Reims en disant : ’Ce sont les clés de la liberté du monde’ », [explique] Wim Wenders, né trois mois après la reddition de l’Allemagne nazie.
Dans ce film de quatre minutes, mêlant archives, reconstitutions et images actuelles, il déambule dans le bâtiment, devenu depuis le lycée Franklin-Roosevelt et dont une partie abrite depuis 1985 un Musée de la Reddition où sont exposées lesdites clés. Apparaissant tantôt en couleur, tantôt en noir et blanc, il se pose en témoin des événements, passerelle entre les deux époques.
Le Figaro avec AFP, le 7 mai 2025
Wim Wenders hat einen kurzen Film zum Kriegsende gedreht. Darin besucht er die Schule in Reims, in der die deutsche Kapitulation unterzeichnet wurde, und findet die Schlüssel zur Freiheit Europas. Und zu seiner eigenen.
Der Beitrag, den Wim Wenders zum achtzigsten Jahrestag des Kriegsendes gedreht hat, dauert viereinhalb Minuten. Er beginnt, wie manche Filme von Wenders, mit dem Blick aus einem Flugzeugfenster. Dazu hört man die Stimme des Regisseurs : „Es gibt Orte, an denen Geschichte geschrieben wurde, die aber trotzdem kaum jemand kennt.“
Der Ort, den er meint, ist eine Schule in Reims. Dort, im heutigen Lycée Franklin Roosevelt, saß im Mai 1945 das Hauptquartier der alliierten Streitkräfte in Europa, und dort unterzeichnete der später als Kriegsverbrecher hingerichtete Generaloberst Alfred Jodl am frühen Morgen des 7. Mai die Kapitulationsurkunde, die den Krieg beendete ; die Wiederholung der Kapitulation gut einen Tag später in Berlin-Karlshorst war nur ein formeller Akt, auf dem Stalin bestanden hatte.
Ein Objekt hat es ihm besonders angetan
Wenders holt die Nacht von Reims in die Gegenwart zurück, indem er die historischen Aufnahmen durch kurze nachgestellte Szenen ergänzt – und, vor allem, indem er sich selbst mit den Bildern von damals verbindet. Man sieht, wie er zwischen Gruppen von Schülern zu den Räumen des kleinen Museums läuft, das im Lycée Roosevelt eingerichtet wurde, und man sieht ihn vor den Vitrinen stehen, in denen Erinnerungsstücke an die Kapitulation ausgestellt sind, Schriftstücke, Fotografien, Stühle, Landkarten, Uniformen.
Ein Objekt hat es Wenders besonders angetan. Es sind die Schlüssel zu den Schultoren, die der alliierte Kommandant nach Kriegsende dem Bürgermeister von Reims mit der Bemerkung übergab, dies seien die Schlüssel zur Freiheit der Welt. „Die Schlüssel zur Freiheit“ heißt deshalb auch Wenders’ auf Deutsch, Englisch und Französisch veröffentlichter Film, den das Auswärtige Amt bezuschusst hat und den man auf Youtube anschauen kann.
Er dauert, wie gesagt, nur viereinhalb Minuten, so lang wie ein Musikclip oder eine Kurzreportage im Fernsehen. Aber in diesen Minuten passiert etwas, was bei offiziellen Gedenkfeierlichkeiten selten geschieht : Die Geschichte holt uns ein. Der Ort, an dem sie stattfand, ist immer noch da, und der Blick, den Wenders mit der Kamera darauf wirft, bringt sie zum Sprechen. „Von meiner Kindheit an habe ich achtzig Jahre in dem Frieden gelebt, den die Nacht in dieser Schule uns allen gebracht hat“, sagt Wenders am Ende seines Films. „Heute herrscht im vierten Jahr wieder Krieg in Europa. Es ist auch ein Krieg gegen Europa ... Es liegt jetzt an uns, die Schlüssel zur Freiheit selbst in die Hand zu nehmen.“
Das dürfte die kürzeste unter den vielen Ansprachen sein, die in diesem Jahr zum 8. Mai gehalten werden. Aber es ist womöglich eine der wichtigsten, denn sie schließt die Türen zur Vergangenheit nicht feierlich zu, sondern reißt sie weit auf. Im August wird der Regisseur von „Der Himmel über Berlin“ und „Der amerikanische Freund“ achtzig Jahre alt. Seine Stimme zählt.
Ein Kommentar von Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine, 07.05.2025
